Becomeapro Trailtour- Bear Grylls Überlebenskampf

Tag 1

Sonnenbrand, triefend nass, Salzränder am Trikot, die Lippen so trocken wie die einer 90 jährigen Puffnutte. Einige schrien Hilfe, andere Panache! Wie Heuschrecken fielen sie über die kleine Snackschale mit Salzbrezeln her. Nein das hatten sie sich anders gedacht…

8 Stunden zuvor…

Wir treffen uns im wunderschönen Wangenbour-Engenthal. 85% Trailanteil sollten uns laut Komoot ein fettes Grinsen ins Gesicht treiben. Ich selbst hab schon Vogesenerfahrung, dass unser GPS Track jedoch von Bear Grylls und seinem letzten Überlebenskampf stammt, war selbst mir nicht klar.

Unsere Truppe Peter, Uwe, Susanne mit Freund, Thomas & Sascha

So starteten meine 6 Gefährten und ich bei sommerlichen Temperaturen auf unsere Trailtour, 65Km und ca. 2000hm sollten es werden. Doch die erwarteten Flowtrails wollten sich verdient werden. Dies vorzugsweise durch giftige Steigungen, durchsetzt mit Wurzeln und Felsen, bedeckt mit losem Geäst und umgestürzten Bäumen. Wir kurbelten 20% Steigungen mit kniehohem Gras hinauf, kletterten mit den Bikes über Bäume, haben Steigungen aus Traktionsmangel zu Fuß bewältigt und teilweise sind wir gefühlt ganze Überhänge hoch gefahren.

Wer sein Fahrrad liebt…

Die ersten 3 Stunden war die Quälerei noch genießbar, aber unser Trinken und die Verpflegung neigte sich dem Ende. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit hat bei der KOM-Jagt mittlerweile die 10Kmh unterboten. WTF – wir sind fast 3 Stunden unterwegs und haben gerade mal Halbzeit. Ja die weitläufigen und einsamen Vogesen haben ihren Reiz, sind aber total beschissen, wenn man auf dem Zahnfleisch geht und keine Zivilisation in Sicht ist. Wir sind weitere zwei Stunden unterwegs. Mittlerweile haben wir 2 Stürze, einen gebrochenen Carbonsattel, eine abgerissene Zugführung und einen verreckten Freilauf. Die 30 Grad sind durchbrochen, einige haben seit über 2 Stunden nix mehr getrunken. Ich biete wohlwollend etwas Mittelstrahlurin an, welches jedoch dankend abgelehnt wird. Gopfadamminonemaol haben diese drecks Trails denn kein Ende? Wir wünschen uns Waldautobahnen, würden sogar unsere Großmutter für 1 Kilometer Asphaltstraße eintauschen.

Neue coole Leute getroffen

Aber dieses Gemetzel will kein Ende nehmen. Wir stoßen auf eine angelegte Enduro Strecke – diese Abfahrt muss doch in die Zivilisation führen. Wir entscheiden uns die Tour abzukürzen und voller Vorfreude auf diesem Trail zu unserem Bier zu  surfen. Doch Pustekuchen, nachdem wir über Felsen und Bäume  kletterten, sollte nun noch eine Bachdurchquerung folgen. Wäre es ein 24h Rennen, hätte ich „Dildofee“ geschrien. Im Nachgang betrachtet war diese Kneippkur aber durchaus stimulierend. Nachdem wir die Bachdurchquerung ohne nennenswerte Hippo- und Aligatorenangriffe überstanden hatten, folgte jedoch schnell die Ernüchterung. Es mussten weitere 1.000 Höhenmeter folgen, um ins Hotel zurückzukommen.

Fast wäre es schön gewesen

In den Augen meiner Begleiter sah ich, wie sie nun förmlich um meinen Mittelstrahlurin bettelten, sich aber keiner traute es auszusprechen. Während die Gruppe die Höhenmeter erklimmt, halte ich an einem Rinnsal, der aus einem Fels tropft. Man merkt, als einziger Mann zwischen 3 Damen im Haus habe ich durchaus Erfahrung im Überlebenskampf. Nach gefühlten drölfzig Stunden auf dem Rad, erreichen wir endlich einen Grillplatz. So einen mit echten Menschen und mit Straße , Parkplatz und Sitzbänken. So einen richtigen, echten Grillplatz mit atmenden Menschen, die zwar französisch sprechen, aber wirklich echt sind. Uns allen stehen die Freudentränen in den Augen, wir umarmten uns, es war schön. Wir entschließen uns der Straße zu folgen, sie muss ja irgendwie in unser Dorf führen. Die rasante Abfahrt hob die Moral und unsern Schnitt auf sagenhafte 11Kmh. Doch das eigentliche Highlight sollte noch folgen. Zum Hotel mussten nochmals einige Höhenmeter auf der Straße zurück gelegt werden. Diese Mammutaufgabe mussten nicht nur wir, sondern auch ein 25 Kubik Roller mit seinem 160Kg schweren Fahrer bewältigen. Dieser war tatsächlich kaum schneller als wir und musste bei jeder Parkbucht anhalten, um dem Roller eine kurze Pause zu gönnen. Nachdem wir erneut vom Sumo-Ringer überholt wurden, hingen wir uns in den Windschatten von selbigem. Als dies der Fahrer bemerkte, riss er nochmals am Gasgriff, doch statt mehr Speed aus dem Roller zu drücken, drückte er nur Fett aus seinem Handgelenk. Der Windschatten war zwar göttlich, der Anblick jedoch unerträglich. Dieser Mann verschlang mit seinem Arsch den Roller, wie ein Kleinkind sein Fieberzäpfchen. Glücklicherweise bog er auf der Kuppe ab und wir rollten die letzten Kilometer zum Hotel, welches wir nach 7,5 Stunden erreichten…

Ich schrie Panaché

Es folgte die Wiederbelebung mit totem Tier, Bier und den besten Spätzle, die ich je hatte. Gut, zu diesem Zeitpunkt hätten wir wohl auch einen Tierkadaver gefressen, aber Rumpsteak und ein Eis zum Nachtisch sorgten für deutlich bessere Stimmung.

Speicher füllen

Das Fazit der ersten Tour: die  Trails waren geil, aber zu hart erkämpft. Morgen sollte eigentlich die schwerere der beiden Touren folgen, doch auf solch ein Gemetzel hatte keiner mehr Bock. Wir brauchten eine Plan B für Morgen, doch jetzt hieß es regenerieren und schlafen. Wir sackten gemütlich in unsere Betten, während Peter seine Zimmerkollegen mit einem gleichermaßen lauten wie anhaltenden Schnarchen in den Schlaf wog.

Tag 2

Das üppige Frühstück und Kaiserwetter sorgte für gute Stimmung. Jetzt brauchten wir nur noch einen neuen Track. Hier liebe ich ja die Gallier. In jedem Kaff gibt´s nen Bikeverein und ausgeschilderte MTB Routen. Hier begannen sie direkt beim Hotel und zufällig habe ich den GPS Track der Kategorie Schwarz „trés difficille“ zum Download gefunden. 32 Kilometer mit ner Dauer von 3,5 Stunden waren selbsterklärend. Nicht so lang aber ähnlich schnell wie gestern sollte es heute werden.

Gute Stimmung

Wir befürchteten nach dem ersten durchfurchten Anstieg wieder das Schlimmste, aber wir hatten uns nur verfranzt. Die folgenden Wege sollten aus sahnigen Flowtrails bestehen. Zuerst wurden wir an der eindrucksvollen Wangenbourg ausgespuckt, danach folgte ein einstündiger Aufstieg auf breiter Forststraße, die Sonne knallte bei über 30 Grad, aber ein gleichmäßiger breiter Anstieg war die Erfüllung, im Gegensatz zum Vortag. Wir hatten 16 Kilometer zurückgelegt und standen am höchsten Punkt der Tour und genossen den Ausblick.

Nachdem wir gestern den halben Tag von der Dildofee begleitet wurden, sprang nun plötzlich die Trailfee aus dem Gebüsch und meinte: „Weil ihr euch gestern so gequält habt, dürft ihr euch nun endlich belohnen“. Es folgte eine Trailorgie, wie ich sie selten im Mittelgebirge erlebt habe. Trail hoch, Trail runter, Trail flach, aufgereiht wie eine Perlenschnur. Teilweise liefen mehrere Trails zusammen und trennten sich wieder.

So soll es sein

Uns blutete das Herz bei jedem zurückgelassenen Trail, aber wir können sie nicht alle fahren. Nach dem Aufstieg waren wir feucht in der Arschritze, nun auch im Schritt und das Grinsen, welches uns fehlte ist nun endlich zurückgekehrt.

Heute mit mehr Flow

Danke Wangenbourg, dass du uns so schön verabschiedest und uns einen Grund gibst wieder zu kommen. Danke an alle die dabei waren und die neuen Freunde die ich kennenlernen durfte.

Happy ride

Euer

Daniel