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SBM-10 Jahre danach

Auch wenn gerade der Spätsommer zurück kommt, die Uhren stehen auf Herbst. Jene Jahreszeit, in der ich gerne meine Trainingsplan ausklingen lasse und das Farbenspiel im Wald mit spaßigen Endurorides oder ausgelassen Downcountry Touren im Elsass genieße. Doch dieses Jahr ist alles anders, nein ich will mich nicht beschweren, ich bin froh das wieder Rennen waren. Trotzdem fühlt sich diese Saison noch unvollendet an. Zunächst wurden die ersten Rennen abgesagt – meine Alternative fiel den Reisebeschränkungen zum Opfer und gerade als man dann ab Juni langsam in die Saison starten konnte, kam der gefühlte Dauerregen. Auf meinen Crash folgte ein DNS bei der Trance Vosgienne und ein DNF beim Garmin Bike Cup. Nun ist die Gemütslage so, wie sie ist. Gefühlt habe ich zu wenig Rennen im Verhältnis zu meinem Trainingsjahr. Ich bin zwar müde, aber noch nicht satt, irgendwie muss was gehen.

Teampower

Das war der Anstoß, um nochmals meinen Bikeherbst zu überdenken mit einem schon fast traditionell erneut „dummen“ Ergebnis.

Bis Mitte Oktober sollen es nun noch 4-5 Rennen sein und zwar gezielt auf der Marathon Kurzstrecke, also genau auf dem Terrain, auf das ich so gar nicht vorbereitet und trainiert bin.

Vor 10 Jahren zuletzt auf der Kurzstrecke

Sich binnen 1-2 Rennstunden aus dem Leben zu treten hab ich schon ewig nicht mehr gemacht und ist aber gerade das worauf ich bock habe. So entstand mein herbstliches Kurzstreckenrennprogramm —was ein Wort oder?- mit dem Auftakt beim 42 Kilometer langen Schwarzwald Bike Marathon, gefolgt von einem Wochenenddouble von „Bike the Rock“ Heubach (Samstags) und der Albgoldtrophy (Sonntags), sowie dem Abschluss bei der Marathon „DM“ in Singen. Das sollte reichen um die Schnauze für dieses Jahr voll zu haben und sich dann einer entspannten Offseason zu widmen.

Somit gibt´s für meine Leser natürlich auch 3-4 Rennberichte, auch wenn eine Marathonkurzstecke natürlich weniger spannende Szenen bietet, als ein 24h Rennen mit mehrtägigem Roadtripp.

So geschah es also, dass ich vergangenen Samstag nach Furtwangen tingelte, um nach 2011 genau 10 Jahre später erneut auf der Kurzdistanz zu starten.

Agent 1117

Start

9.45 Uhr erfolgt der Startschuss mit den übliche Positionskämpfen, nach zwei Minuten Renndauer lagen schon 2 Fahrer auf der Straße, schmerverzerrt, sah übel aus. Gute Besserung an Euch. Ich selbst habe schon den Kontakt an die Spitzengruppe verloren. Zwar komme ich im folgende Anstieg näher an die Gruppe ran, die 400 Watt sorgen bei mir aber für mächtig Schnappatmung und ist definitiv nicht das, was ich über die Renndistanz treten kann. Nachdem ich nun also sämtliches Sixtus und andere fragwürdige Muskel- und Gleitcremes von den Körpern meiner Mitstreitern weginhaliert habe, suche ich meinen eigenen Rhythmus, welchen ich am Hinterrad vom alten Kumpel Luigi finde. Ich kann mich festbeißen und gerade als es in die erste Abfahrt geht, können wir uns auf der Kuppe an ein Gruppe andocken und stehen nicht mehr allein im Wind. Danke Luigi für den Support. Von da an sind wir immer 5-6 Mann. Volker (der später Sieger der M4) Tobias, Luigi, ich und zwei weitere

Warten im Block

Protagonisten. Die Gruppe läuft gut. Nach 30 Minuten trifft dann die 60Km Strecke auf unsere. Ich hatte bis dato vergessen wie stressig solche Marathonrennen sind. Unsere Gruppe füllt sich mit Fahrern der anderen Strecken und geballt stürzen wir uns in die Abfahrten, überholen Fahrer vor uns, werden selbst überholt, zu zweit, teilweise zu dritt nebeneinander mit Tempo 60 eigentlich nur das Hinterrad des Vordermannes im Blick. Bei nem 24h Rennen fühle ich mich ja öfters genötigt mal ein Powernapping auf dem Lenker zu machen, während ich meine nächtlichen Runden drehe, aber hier ist volle Konzentration gefragt.

Wir kommen zum ersten Schafrichter, dem Anstieg der Katharinenhöhe. Hier lanciert Tobias einen Angriff – ich bin viel zu warm angezogen und am Kochen und kann sein Tempo nicht mitgehen. Oben angekommen hat sich unser Gruppe auf 4 Fahrer dezimiert. Luigi ist weg, Volker noch dabei und wir müssen uns neu sortieren. So geht es einige Kilometer weiter bis zum schwersten Anstieg des Rennens, ein steiler Wiesenaufstieg kommt. Ich hab zuvor in der Abfahrt angegriffen und eine Lücke zu meine Gefährten geschaffen. Auf den folgenden Höhenmeter kann ich die Lücke zu Tobias fast wieder schließen und 2 Fahrer aus unserer Gruppe abschütteln und eine Trailabfahrt später sauge ich mich an das Hinterrad von Tobias um seine Soloflucht zu beenden. Volker ist auch wieder da und keiner will nun so recht Führungsarbeit machen. Wir fahren nebeneinander, jeder schaut sich an und glücklicherweise finden wir schnell wieder Speed, denn keiner will die abgehängten zwei zurückkommen lassen.

Meien Fans

Wie das Rennen nun abläuft ist eigentlich schon vorprogrammiert. Der Schwarzwaldbikemarathon endet immer mit dem Bahndamm des Todes, Bahndamm des TODES, Bahndamm des Todes , BAHNDAMMDESTODES – ich hoffe die unterschiedliche Schreibweise sorgt nachfolgend für die nötig Dramatik bei euch.

Der Bahndamm des Todes beschreibt die letzten 5 Km des Rennens: an einer Bahntrasse geht es schnurgerade, leicht steigend und meist mit Gegenwind nach Furtwangen ins Ziel. Entweder man hat vorab genügend Vorsprung raus gefahren, um sich als Solist gerade noch ins Ziel zu retten oder man wird von den nachfolgenden Gruppen gnadenlos niedergewalzt und geht im Zielsprint dann kläglich unter. Attacken auf diesem Stück bringen rein gar nichts mehr.

Somit ist allen klar, wir kommen als Gruppe in Furtwangen an. Es folgt die letzte Abfahrt ins Tal, wie immer setze ich meinen übergewichtigen Pinguinkörper vorab an die Spitze um möglichst viel Speed zu generieren. Bergflöhe und weniger Wahnsinnige haben da meist Probleme und ich komme da immer recht safe mit leichtem Vorsprung unten an. Diesmal endet die Abfahrt auf einer breiten Bundesstraße und ich rolle weiter bis sich die Gruppe von hinten füllt. Leider ballert Tobias nun mit solch einem Überschuss an mir vorbei, dass beim folgenden Antritt mein linkes Bein krampft. Ich lutsche bei Tempo 35 an Tobias‘ Hinterrad als würde niemand zuschauen und flehe innerlich, bitte hör einfach auf zu treten. Doch Tobias kennt kein Mitleid in der Anfahrt zum Bahndamm des Todes. Fuck es geht nicht mehr, ich klicke mit dem linken Bein aus und versuche es auszuschütteln und zu massieren. Es bleiben mir 10 Sekunden um das zu richten, während die Leute aus der Gruppe an mir vorbeiziehen und ich mich ganz hinten einreihe. Es hilft nix, ich muss mit dem Krampf weiter treten. Versuch nun das rechte Bein mehr zu belasten, aber aktuell kann ich nicht mitführen. Das Tempo ist auf der steigenden Anfahrt immer noch über 30 und erst nach einigen Metern kann ich wieder durch die Führung mitgehen. Ich leide wie die Hölle, aber ich sehe langsam die Häuser. Mein linkes Bein hat sich etwas entspannt, dafür krampft nun das rechte. Gleich geht’s rechts in die City und ich hab’s hinter mir. Doch Pustekuchen – der geänderte Streckenverlauf führt mich um eine Haarnadel in einen Anstieg, ach leck mich doch. Ich kann sitzend nicht mehr treten und versuche im Wiegetritt da noch hoch zu kommen. Die Gruppe zerbröselt hier und ich gehe hinter Volker und Tobias in die Abfahrt. So ein Mist, hier hatte ich mich heute Morgen lange Warmgefahren und es folgt nochmals ne steile Welle auf losem Untergrund. Ich versuche einfach nur dran zu bleiben. Doch in der Welle bricht das Tempo so zusammen, dass ich ein finale Attacke fahre. Ich drücke mich an beiden vorbei und gehe in die Abfahrt. Beide Beine verkrampfen, aber ich kenn das Stück: unten gibt es eine Kurve die Volker langsamer fahren wird als ich. Mit dem nötigen Vorsprung rausche ich dann geradeaus ins Stadion. Mein Plan ist, würde ich sagen so „halbgeil“. Zwar reiße ich die Lücke zu Tobias und Volker, allerdings ist der Weg geradeaus abgesperrt und es folgt eine weitere kurze Asphaltrampe. Innerlich heule ich wie ein kleines Mädchen und vor mir sind 3 Fahrer/innen. Wenn die mich aufhalten, kommen die hinten wieder ran. Auch die Welle bekomme ich weggedrückt und der Kurs führt recht verwickelt über ein Brücke auf einen Singletrail Pump Track mit weiteren 3 Hügeln. Zum Bahndamm des Todes kommen nun also noch die „Zacken des Verderbens“. Irgendwie schleppe ich mich hier drüber, passiere die 3 Fahrer vor mir, um dann endlich, och ne doch nicht, nochmals eine Welle zu erklimmen. Meine Attacke ist jetzt schon mehrere Minuten zu lang und mehrere Steigungen zu viel. Als ich ins Stadion einbiege blicke ich nur nach hinten und rette mich gerade noch ins Ziel.

a bissl zerstört

Fast geil das Rennen, aber als ich ausrollen möchte kommt Tobias vorbei, unsere Lenker berühren sich und wir beide fliegen 100 Meter nach der Ziellinie auf die Fresse. Völlig unnötig und dumm aber es ist nichts passiert und am Boden liegend gibt´s ein „Shake Hands“ fürs gute Rennen.

Was dann doch etwas frustrierend ist:

Ich möchte kein schlechter Verlierer sein, Tobias ist ein starkes Rennen gefahren, er hat viel für unsere Gruppe gemacht und ich gratuliere ihm zu Platz 5.

Allerdings scheint Tobias wenige Sekunden nach mir beim Start über die Zeitmessung gerollt zu sein und da wir quasi Hintereinander ins Ziel gekommen sind, ist er nun mit 3 Sekunden Vorsprung fünfter und ich sechster. Wie gesagt er hat es verdient allerdings finde ich es schade, dass man die Platzierung nicht gegeneinander auf der Strecke ausfahren kann, meine Attacke hätte ich mir sparen können. Eigentlich braucht man nicht mal in der Gruppe sprinten, da man wohl kaum die gleiche Startzeit im selben Startblock hatte.

Ausrollen mit den Mates

Das nimmt mir etwas das Rennfeeling. Somit bin ich zufrieden, aber der Sturz und der Ausgang des Rennens waren dann für mich einfach etwas unglücklich. Ich bin mir jedoch ziemlich sicher, dass ich bei den vergangenen Teilnahmen auch schon von der Zeitmessung profitiert habe.

Happy ride

Daniel