3 Länder – 3 Berge – 3 Abenteuer

Die Idee hinter den Belchenhoch 3 ist simpel: Verbinde die Länder Schweiz, Frankreich und Deutschland mit einer Radtour und erklimme dabei drei auserwählte Berge – die sogenannten Belchen. Die Schweizer Belchenflue, den französischen Grand Ballon sowie den deutschen Belchen. Dabei gilt es, rund 300 Kilometer abzuspulen und je nach Routenverlauf 3.500–4.000 Höhenmeter zu bewältigen.

Die Idee der Belchenhoch 3 stammt vom Eventorganisator Hirschsprung, der jährlich die besagte Route als Jedermann-Event organisiert. Wer also auf Eventfeeling mit Gleichgesinnten steht, wird hier durch organisierte Verpflegungspunkte über die Distanz gebracht.

Als deutlich entschleunigtere Variante kann man sich ein Microadventure als dreitägige Bikepacking-Tour basteln. Tag 1: Almstimmung in der Schweiz. Mit der Kraft der Ovomaltine (mit der man bekanntlich nicht besser, aber länger kann) erklimmst du am zweiten Tag auf den Spuren der Tour de France den Grand Ballon. Und auf der Jagd nach der besten Schwarzwälder Kirschtorte erklimmst du am letzten Tag dieses Abenteuers den dritten Belchen im Schwarzwald.

Nun gibt es da noch Version 3: ein kompromisloser unsupported Longride. Keine Gruppendynamik, keine organisierten Verpflegungsstopps – eher beschleunigt als entschleunigt, nur wir unsere Beine und ein ziemlich langer Tag.

Willkommen in meinem Abenteuer.

5:15 Uhr, der Wecker klingelt. Die Kunst, morgens ohne jegliches Hungergefühl eine Schüssel Müsli reinzupfeifen, während ich eigentlich noch schlafe, beherrsche ich in Perfektion. Der Arschbombe in die Gesäßcreme folgt das Überstreifen der Lycra-Klamotten. Während ich nun 16 Gels an meinem Körper platziere, komme ich mir vor wie John Rambo, der die letzte Wahl seiner Waffen vor dem großen Auftritt trifft.

Ich rolle zum Treffpunkt, wo ich Gino und Florin treffe. Gemeinsam bilden wir heute eine rumänisch-deutsch-südafrikanische Connection. Lauter als die Bee Gees, stärker als die drei Musketiere und sexier als die Engel für Charlie – dieses Trio will heute die drei Belchen rocken.

Über die ersten Hügel gleiten wir mit der aufgehenden Sonne in Richtung Schweiz, wo wir 40 Minuten später den Rhein über die alte Zollbrücke überqueren.

Liebend gern würden wir schon jetzt den ersten Kaffeestopp einlegen, denn wir sind tiefgefroren. Vier Grad sind nicht gerade frühlingshaft.

Wir sind in der Anfahrt zur Belchenflue, doch zunächst stellt sich uns noch die Sissacherflue in den Weg. Die erste Steigung sorgt immerhin für die richtige Betriebstemperatur im Körper.

Belchenflue – kurz, aber schmerzhaft

Nach 1,5 Stunden biegen wir in die Belchenflue, auch Chilchzimmersattel genannt, ein. Mit lediglich 500 Höhenmetern ist er der kürzeste der drei Belchen, mit bis zu 16 % Steigung macht er morgens aber schon richtig weh. Das Gasthaus Oberbölchen hat so früh noch geschlossen – also geht es für uns ohne Ovomaltine weiter.

Nun liegen 100 hügelige Transferkilometer zum Grand Ballon vor uns. Die Durchfahrt durch die wunderschöne Stadt Basel wirkt belebend. Wir passieren den Rhein, die Roche-Türme und anschließend den Zoll, um ins Elsass zu gelangen.

100 Kilometer Transfer – und plötzlich fühlt es sich nach Urlaub an

Im malerischen und hügeligen Sundgau mit seinen Fachwerkhäusern, Bauernhöfen und dem typisch elsässischen Flair fühlt es sich sofort nach Urlaub an, und die kommenden Stunden bis zum Refueling-Stopp in Thann vergehen wie im Flug.

Wir stehen vor den Toren der Vogesen. Da es hier kaum Wasser gibt, überfallen wir den Carrefour und starten gestärkt mit Donuts, Cola und Apfeltaschen in den Anstieg zum Grand Ballon.

Grand Ballon – der König der Vogesen

Die längste, flachste und schönste Auffahrt ist meiner Meinung nach die von Uffholz über die Gedenkstätte Hartmannswillerkopf. Nach dem Motto „je steiler, je geiler“ klettern wir aber über Geishouse. Genau diese Route wird auch in der 14. Etappe der diesjährigen Tour de France gefahren. Das Besondere: Nachdem man die ersten Dörfer passiert hat, ist die Straße für Autofahrer gesperrt, und man klettert auf einem frisch geteerten Radweg bis zum Grand Ballon, der wenige Meter vor der Auberge du Haag endet. Wer hier ankommt, sollte unbedingt ein Stück Heidelbeertarte probieren – die beste der Vogesen gibt es hier.

Da ich in diesem Aufstieg meinen Donut dreimal nahezu ungekaut heruntergeschlungen habe, verzichten wir hier auf einen Kuchenstopp und sammeln den zweiten von drei Belchen ein.

Abfahrt, Ebene, Gegenwindangst

Die Vogesen entlassen uns nach einer rasanten, 25 Kilometer langen Abfahrt mit ihrem Traumpanorama. Es heißt erneut: Kilometer schrubben. Ziel ist Fessenheim, wo beim dortigen Kernkraftwerk die Rheinüberfahrt zurück nach Deutschland erfolgt. Nach einem kurzen Kuchenstopp stellen wir uns dem Endgegner des Tages: dem Belchen.

Die Auffahrt erfolgt auch hier über eine autofreie Straße. Um diese finale Steigung einzuleiten, muss man jedoch erst die rund 30 Kilometer lange, stetig ansteigende Anfahrt über das Münstertal und das Wiedener Eck hinter sich bringen. Der Belchen selbst wäre gar nicht das

Der Belchen – und das eigentliche Problem davor

Problem – aber diese zwei Stunden saugen einem die letzten Körner aus dem Körper. Wir sind schließlich schon zehn Stunden auf dem Rad.

Es ist nicht das traumhafte Panorama, das mich antreibt, sondern eher die Tatsache, dass es bald vorbei ist.

Kopf gegen Körper

Komm schon, Daniel, du bist so weit gekommen – du schaffst das. Zwei Belchen hast du schon, den dritten schaffst du auch noch. Heute gewinnst du und nicht dein Schweinehund.

Kilometer sind mein Treibstoff, und wir sind radelnde Spitzenprädatoren, die ganze Berge verschlingen – und nicht umgekehrt.

Okay – letzter Satz ist vielleicht etwas dick aufgetragen … aber who cares.

Gipfelglück – mit Beigeschmack

Jedenfalls stehen Gino, Florin und ich geeint nach 260 Kilometern auf dem letzten Gipfel. Alle drei haben wir sie eingesammelt. Wir dürfen stolz auf diesen Tag und auf dieses gemeinsame Erlebnis sein.

Doch der Schein trügt: Wir haben noch 40 Kilometer Rückfahrt vor uns. Wer in der Euphorie des letzten Belchens seine letzten Körner verschießt, leidet in den kommenden 1,5 Stunden mehr als ein kettenrauchender Dieselfahrer.

Zu 90 % herrscht im Großen Wiesental zur Mittagszeit nämlich Gegenwind – der Overkill nach solch einer Tour.

Doch heute bleibt er aus. Gegenwind käme uns nicht gerade entgegen – und der ausbleibende Gegenwind verleiht uns Rückenwind. Welch ein grandioses Wortspiel zum Schluss dieses Beitrags.

Nun ja, mit Zug auf der Kette geht es nach Hause. Doch der Blick auf den Tacho verheißt nichts Gutes: Wir haben 292 Kilometer absolviert und sehen schon den Zielort vor uns.

Die 300 müssen voll werden

Mein letztes Kommando:
„Florin, nochmal rechts abbiegen – keiner geht nach Hause, bevor die 300 auf dem Tacho stehen!“

So endet unser Abenteuer mit 302 Kilometern und knapp 4.000 Höhenmetern.

Zufrieden verschlinge ich die Pasta Carbonara, die meine Göttergattin Pamela extra für mich zubereitet hat – und plane schon das nächste Abenteuer.

Falls du die Tour nachfahren möchtest, dir aber die Berge nicht reichen, kannst noch einen vierten Belchen (Petit Ballon) einbauen, wir hier in meinem Beitrag.

Belchenhoch4-Ich mach´s mir selbst – Become a Pro

Happy ride

Euer Daniel