Der Fricktaler – Eine Gravelstory
Eigentlich war alles seit Monaten geplant. Eigentlich wollte ich hoch hinaus – doch der Schneefall am vergangenen Wochenende ließ mich an meinem geplanten Abenteuer zweifeln. Es musste also eine Alternative fürs Wochenende her.
Ein Abenteuer, das perfekt ist, wenn das Wetter und/oder die Beine noch nicht für die hohen Berge gemacht sind: landschaftlich reizvoll, physisch anspruchsvoll – kein improvisierter Plan B, sondern ein echter Leckerbissen.

Dies ist eine Story über den Fricktaler Höhenweg, gelegen im Schweizer Jura. Eine beliebte 3-tägige Wanderroute – und mit entsprechendem Feintuning eine noch viel bessere Gravelroute.
Wir starten am Ostermontag unsere Tour in einem kleinen Dorf namens Steinen, unweit von Basel entfernt. Der erste Hügel ist perfekt, um „warm“ zu werden. Nach 13 Kilometern beginnt unser Abenteuer, als wir über die alte Zollstraße den Rhein passieren. Wir sind nun in der Schweiz und werden nach weiteren fünf Kilometern am Startpunkt des rund 60 Kilometer langen Fricktaler Höhenwanderwegs sein, welcher sich von Magden aus rheinaufwärts nach Mettau schlängelt.

Nach einem kurzen Uphill werden wir auf dem Höhenkamm ausgespuckt, den wir in den kommenden Stunden befahren werden. Wir werden begleitet von saftigen Wiesen und einer wunderbaren Aussicht ins sonnige Tal, das uns permanent zur Seite liegt. Das erste Ziel dicht vor Augen: der Sonnenberg mit seinem Turmstübli.

Hier kann man es sich gut gehen lassen, die Speicher füllen – bei einem Chäsplättli oder einem Klöpfer.
Es folgt die erste Abfahrt. Wer mit dem MTB unterwegs ist, wird nun seinen Spaß auf dem angelegten Trail und dem zunehmend ruppigen Wanderweg haben. Wir passen unsere Routenführung etwas an, doch selbst auf den breiten Forststraßen werden wir ordentlich durchgeschüttelt. Das steile Gelände und der teils grobe Gravel fordern volle Aufmerksamkeit.
Im Dorf Zeiningen füllen wir unsere Flaschen. Wenn nötig, findet sich hier auch eine Bäckerei zur Verpflegung. Es steht eine fiese 25%-Rampe an – hier kurz durchzuschnaufen ist also nicht verkehrt, zumal danach die Steigungsprozente selten einstellig werden.

Das Panorama entschädigt für vieles, und nach 30 Kilometern kommt zum ersten Mal eine gut rollende Abfahrt – ideal, um die Beine locker zu kurbeln, sich zu verpflegen und es einfach laufen zu lassen. Wem die Beine trotzdem noch brennen, der sollte nun unbedingt nach einem Kampfjet Ausschau halten. Der wird euch zwar nicht auf den nächsten Gipfel fliegen, markiert aber den Flugplatz in Schupfart mit seinem Restaurant. Kaffee, Kuchen, Eisbecher – das klingt verlockend, während man den Segelflugzeugen beim Start zuschaut.

Es steht der Anstieg zum Tiersteinberg an: erst sau steil, dann ruppig, danach beides. Urs und ich sind wahrlich keine Bergziegen, sondern eher Tretschweine – aber die Tatsache, dass wir nach drei Stunden erst 40 Kilometer zurückgelegt haben, zeigt, wie selektiv dieser Wanderweg ist.
Die 2000 Höhenmeter, welche man auf diesen 60 Kilometern sammelt, erarbeitet man sich durch meist kurze, steile Rampen, die die Oberschenkel ordentlich brennen lassen.
Wem das zu viel ist, der teilt sich den Fricktaler einfach ein. Entlang des Weges finden sich zahlreiche Hütten mit Grillstelle, Mülleimer, Stühlen und Tischen – ideal zum Biwakieren, wenn man sich ein kleines Microadventure über mehrere Tage basteln möchte.

Eine dieser Hütten findet sich am Tiersteinberg. Von nun an geht es erst leicht steigend, dann fallend über einen Flowtrail weiter nach Frick – dem nächsten Dorf, das man durchquert und sich ideal für ein Refueling eignet.
Mit Thunfischbrötli und vollen Trinkflaschen machen wir uns auf den Weg, die letzten Steigungen und verbleibenden 800 Höhenmeter zu sammeln. Auch wenn die Beine brennen – die Streckenführung ist zu gut, um sie nicht zu genießen.

Im Austausch mit meinem Begleiter Urs sind wir uns einig: Der Fricktaler Höhenwanderweg ist eigentlich der deutlich bessere „Höhengravelweg“. Auch der anstehende Endgegner – eine 20%-Rampe auf grobem Schotter – kann uns von dieser Meinung genauso wenig abbringen wie eine kurze Schiebepassage bergab.

Nach den letzten erklommenen Zacken rauschen wir in einer schnellen Schotterabfahrt wieder hinab ins Tal. Die Navigation des Garmin zeigt einen immer größer werdenden blauen Balken – Euphorie macht sich breit. Wir haben es (fast) geschafft. Denn der blaue Balken markiert den Rhein, jenen Fluss, an dem das Abenteuer gestartet ist – und zumindest dieser Wanderweg endet.

Solltet ihr die Tour nachfahren, stehen euch ab hier alle Wege offen: Ihr könnt das schweizerische Radnetz nutzen und die Route bis nach Koblenz ausdehnen. Ihr könnt den Rhein passieren und den Hotzenwald durchqueren. Oder ihr macht es wie wir: Ihr lasst euch rheinabwärts über feinste Gravelroads zurück zum Startort treiben.
Letzteres war zumindest unser Plan. Allerdings hatten wir solch heftigen Gegenwind, dass trotz fehlender Anstiege die Wattzahlen nicht sanken – und wir uns schon nach fünf Kilometern wie Penner an einer Tanke mit Snickers und Cola für den restlichen Heimweg „hochdopen“ mussten.

…aber genau das macht ein gutes Abenteuer aus.
Die wichtigsten Infos zum Nachfahren:
Verpflegungsspots:
Dorf Zeiningen
Flugpaltz Schupfart
Dorf Frick
Dorf Mettau
Die angepasste Gravelroute:
Reifenempfehlung
45mm Breite und profiliert.
