Was kann Wasser? Die BFO H2O im Test

 

Es ist nun fast ein Jahrzehnt her, als mich meine erste Discbremse an einem Mountainbike entschleunigte. Nach meinen ersten positiven Erfahrungen mit einer Magura Marta, folgten Marta SL und danach die damals neue Magura MT4. 2013 folgte der Markenwechsel auf Sram/Avid XX, eine Bremse die zwar deutlich leichter war, von der Bremsperformance gerade bei der Dosierbarkeit aber deutlich abfiel. Es war die Zeit, in der man sowieso den Avid Bremsen sämtliche Tauglichkeit absprach und die Shimano Disc Stopper über den Klee lobte. Die logische Konsequenz darauf folgte prompt, Shimano XTR BR-987 und Shimano XT M8000 kamen ans Rad. Beide Bremsen mussten aber schon nach kürzester Zeit wieder gehen. Die XTR war mit meinen 84Kg total überfordert, die neue XT M8000 überzeugte lediglich durch einen permanent wandernden Druckpunkt. Mit der folgenden „neuen“ Sram Level TLM wurde dann das schlechte Image der früheren Avid Stoppern gänzlich abgelegt. Im Jahr 2017 folgte dann die Racebremse schlecht hin, die Trickstuff Piccola.

Müsste ich heute meine Favoriten küren, fiele mir das leicht. Der Preisleistungssieger ginge an die Magura MT4, die ideale Bremse für den Budgetracer. Wer  noch ein paar Cent drauflegt, nimmt die MT6 und kitzelt dank anderem Übersetzungsverhältnis der Pumpe noch etwas mehr Bremspower heraus.

Der Testsieg geht eindeutig an die Piccola. Keine andere Bremse bringt Leichtgewicht und Bremsperformance so in Einklang wie die „Kleine“. Hinzu kommt perfekte Verarbeitungsqualität und durch diverse Eloxalfarben auch ein Hauch Individualismus. Entsprechend große Geldbörse und Geduld natürlich vorausgesetzt.

Doch ich bin ein Getriebener, ich suche und finde permanent Teile die mich begeistern. Dazu gehören zum Beispiel die bunten und  formschön gefrästen Bremsen aus Barnoldswick von Hope, die neue und erste Mineralölbremse von Formula, die Cura oder eben die Brakeforce One H2O, die erste Bremse, die statt Mineralöl oder DOT mit Wasser betrieben wird.

Das Bremsmedium
Der 160mm Rotor

Genau die Letztere möchte ich nun genauer unter die Lupe nehmen, willkommen beim Test der BFO H2O.

So wirklich neu ist die BFO H2O natürlich nicht, auf der Eurobike 2015 vorgestellt, gewann sie als erste „Wasserbremse“ den Innovationspreis 2016. Musste sich im Nachgang aber immer der Kritik des gewöhnungsbedürftigen Bremsverhaltens und der Zuverlässigkeit stellen. Seit Mai habe ich nun die Bremse bei mir, es ist Zeit sich ein eigenes Urteil zu bilden. Vorab geht die Bremse aber noch zurück zu BFO, eine Upgrade der Pumpe und das Einsetzen von beschichteten Bremskolben sollen vergangene Probleme beseitigen und die Bremse auf den aktuellen Verkaufsstand bringen.

 

In der Hand

Schon beim Auspacken überzeugt die Bremse mit sauberem Finish. Ein ausgefräster Bremshebel, wahlweise als 1 oder 2-Fingerversion, die filigrane Bauart ,dazu die Möglichkeit Bremshebel und Verstärkerdeckel in verschiedenen Eloxalfarben zu wählen zeigt, dass die BFO H2O aus dem Einheitsbrei ausbrechen möchte und sich in Sachen Design und Verarbeitung dort platziert, wo sie es preislich längst getan hat. Nämlich zwischen Hope und den Trickstuff Bremsen die mit ähnlichen optischen Raffinessen glänzen.

 

Ich selbst habe mich für die „Stealth“ Variante in komplett schwarz mit 160mm Rotoren entschieden. Beim Blick auf die Waage gibt sich die BFO H2O keine Blöße, mit 196g bei ungekürzten Leitungen platziert sich die Bremse auf dem Niveau einer Shimano XTR (198g), Magura MT8 (220g), Hope Tech3 X2 (200g) oder Sram Level Ultimate (215g). Lediglich Formula R1 oder die Trickstuff Piccola bringen hier spontan weniger Gewicht auf die Hüften.

 

Die größte Frage, die ich mir nun stelle ist jedoch, was kann Wasser, oder was soll es können?

Glaubt man Brakeforce One dann liegen die Vorteile dieser Bremse mit Verwendung von Wasser wie folgt:

  • Anwender- & umweltfreundliches Bremsmedium
  • Dünne Bremsleitungen, werkzeuglose Montage
  • Hohe Bremspower dank integrierter Bremskraftverstärker
  • Geschlossenes System – kein Ausgleichsbehälter
  • Härterer Druckpunkt, geringere Fingerkraft nötig
Der Bremssattel
Der gefräste Bremshebel

 

 

Die Schnellkupplung mit den dünnen Bremsschläuchen

Auffällig sind jedenfalls die sehr dünnen Bremsleitungen die in einer Schnellkupplung münden. Die Leitung kann werkzeuglos entfernt, einfach gekürzt und wieder montiert werden. Wie leicht mir die Installation dann tatsächlich von der Hand geht, lest ihr im nächsten Teil des Tests. Abschließend zu diesem Intro gibt’s hier noch die vollständige Spezifikation der Bremse.

Spezifikation

Model:                             Brakeforce One H2O

Hebel:                               1-Finger (wahlweise 2-Finger)

Farben:                            Schwarz, Rot, Blau und grün

Rotoren:                          160mm Brakeforce One (180 & 203 verfügbar)

Gewicht Bremse:            196g

Gewicht Rotoren:           104g 160mm

Preis Bremsenpaar:       594€

Preis Rotoren:                 32€

Preis Bremsmedium:     7,90€ 100ml

  

 

Jetzt stehen also die Montage der Bremse, sowie die ersten Testfahrten an. Natürlich könnt ihr alles im Nachgang auf becoemapro.one nachlesen.

Happy ride,

Daniel

 

3 Gedanken zu „Was kann Wasser? Die BFO H2O im Test

  • 20. Februar 2018 um 11:52
    Permalink

    Frag doch mal Frank Eggert was er von der Bremse hält. Totalausfall bei 20% Gefälle in einem Etappenrennen und das war nur der schlimmste Ausfall. Als Teamkollege habe ich da wirklich keine gute Erinnerung dran.

    Ach und ja sehr reißerische Aufmachung 😉

    GRÜßE

  • 25. Februar 2018 um 14:01
    Permalink

    Hallo Marko,

    danke erstmal für deine Feedback. Ich hab mich natürlich vorab schon mit de BFO H2o beschäftigt und man liest tatsächlich kaum positives Feedback. Ich gehe mit einer gewissen Vorsicht an das Thema ran, möchte aber zunächst objektiv bleiben und mein persönlichen Eindruck wieder geben. Ich lasse mich da weder von gehypten Vergleichstests in den Bikebravos beeindrucken noch urteile ich vorschnell ohne eigene Erfahrung gesammelt zu haben.

    Happy ride

    Daniel

  • 27. April 2018 um 11:20
    Permalink

    Ich freue mich auf den Test, lese die Meinung von Daniel gerne.
    Was ich von der aktuellen Bremse halte, kann ich nicht sagen, da ich sie nie hatte.
    Die 2018er ist eine andere als die 2016er mit der wir massive Probleme hatten.
    Wäre so als ob man einen T3 Bus mit einem T5 Bus vergleicht.

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